Pressemitteilung des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V.


Pressemitteilungen | Presse Deutsche Volksgruppe in Schlesien erfüllt wichtige Brückenfunktion zwischen Deutschland und Polen

Anlässlich des Festaktes zum 20-jährigen Jubiläum der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit besuchte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen und Bundesvorsitzende des Vereins für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland, Hartmut Koschyk, am 11. Oktober 2011 Warschau. Bei dem Festakt wurde der langjährige deutsche Ko-Vorsitzende des Stiftungsvorstandes Herbert Helmrich verabschiedet, dem Dr. Johannes von Thadden  nachfolgt. Ebenfalls wurde die langjährige Oppelner Senatorin Prof. Dr. Dorothea Simonides als langjähriges Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit verabschiedet. Frank Elbe, der in den Jahren 1972 bis 1976 Konsul bzw. von 1999 bis 2003 deutscher Botschafter in Polen war, folgt Johannes Bauch, von 1993 bis 1999 deutscher Botschafter in Polen, der nun ebenfalls nach 12 Jahren aus dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit ausschied.

Zweck der Stiftung ist die finanzielle Unterstützung von Projekten, die im beiderseitigen Interesse der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen liegen und der Verständigung zwischen beiden Völkern dienen. Finanzstaatssekretär Koschyk ist Mitglied im Stiftungsrat. In den letzten zwei Jahrzehnten ist es der Stiftung konsequent gelungen, den Wunsch nach einer intensiveren deutsch-polnischen Zusammenarbeit mit über 10.000 deutsch-polnischen Projekten zu ermöglichen und ihm neue Impulse zu verleihen.

Mit den Vertretern der Deutschen Volksgruppe in Polen erörterte Finanzstaatssekretär Koschyk in Warschau den Ausgang der polnischen Parlamentswahlen und das Wahlergebnis der Wahllisten der deutschen Minderheit. Rafael Bartek, Geschäftsführer des Hauses für Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz, Richard Galla, der wiedergewählte Abgeordnete der deutschen Volksgruppe im polnischen Parlament und Bernhard Gaida, Vorsitzender des Gesamtverbandes der deutschen Minderheit in Polen, begrüßten dabei die Bestätigung der proeuropäisch ausgerichteten Regierungskoalition unter Ministerpräsident Donald Tusk und erläuterten Koschyk das Wahlergebnis in den Hauptwohngebieten der deutschen Volksgruppe in Polen. Während seines Besuches in Warschau konnte Finanzstaatssekretär Koschyk auch bei polnischen Regierungsvertretern auf den wichtigen Beitrag der Deutschen Minderheit zur Verständigung zwischen unseren Deutschland und Polen hinweisen

Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich bis heute für nachhaltige Zukunftsperspektiven der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen ein. Heute ist die Deutsche Minderheit in Polen rechtlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell und sozial gut in die polnische Gesellschaft integriert. Polen hat bereits im Jahr 2000 das Europarats-Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und 2003 die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet. Rechtlich ist der Status der deutschen Minderheit durch den bilateralen Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrag vom 17.06.1991 sowie seit 1997 durch den nationale Minderheiten betreffenden Art. 35 der polnischen Verfassung geschützt. Dieser gewährleistet den Angehörigen ethnischer Minderheiten Freiheit bei der Wahrung und Entwicklung der eigenen Sprache, bei der Wahrung der Traditionen sowie bei der Entwicklung der eigenen Kultur. Er gewährt Minderheiten zudem das Recht, eigene Bildungs- und Kultureinrichtungen zu gründen sowie an Entscheidungen über ihre kulturelle Identität mitzuwirken. Politisch ist die deutsche Minderheit fest im polnischen Staatswesen verankert.

Die Deutsche Minderheit lebt hauptsächlich in Oberschlesien, ins-besondere in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien (Kattowitz), hier vor allem im Kreis Ratibor. Daneben gibt es ein kleineres Zentrum in der Woiwodschaft Ermland-Masuren (Ost-preußen). Kleine Gruppen leben über ganz West- und Zentralpolen verstreut. In den Organisationen der Minderheit (etwa 500 Deut-sche Freundschaftskreise) haben sich ca. 300.000 Personen als Mitglieder eingeschrieben.

In Oppeln besuchte Finanzstaatssekretär Koschyk die “Stiftung für die Entwicklung Schlesiens und zur Förderung lokaler Initiativen”, die seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich zahlreiche mittelständische Investitionen und Infrastrukur-Projekte gefördert hat. Mit dem Präsidenten der Stiftung, Arnold Czech, erörterte Koschyk künftige Projekte der Stiftung auf dem Gebiet der beruflichen Bildung und der Landwirtschafts-Förderung. In Schloss Groß Stein  traf Koschyk mit dem langjährigen Oppelner Erzbischof Prof. Dr. Alfons Nossol zusammen, der sehr verdienstvoll für die deutsch-polnische Verständigung und ein gedeihliches Miteinander der verschiedenen Volksgruppen in Schlesien wirkt. Auf Initiative des Erzbischofs ist in Schloss Groß Stein eine Bildungs- und Begegnungsstätte sowie eine Sebastian-Kneipp-Heilstätte entstanden. In der Gemeinde Krappitz in der Woiwodschaft Oppeln nahm Koschyk am 20-jährigem Jubiläum des Unternehmens “BIS Multiserwis” teil, das ein Tochterunternehmen der deutschen Unternehmensgruppe Bilfinger/Berger ist und mit 1600 Beschäftigten den größte Arbeitge-ber im Bezirk Oppeln darstellt. In Raschau besuchte Finanzstaats-sekretär Koschyk hingegen die zweisprachige Bildungseinrichtung “Pro Liberis Silesiae”, die auf Vereinsbasis einen zweisprachigen Kindergarten sowie eine zweisprachige Grundschule unterhält. Das Kindergarten- und Schulprojekt “Pro Liberis Silesiae” in Raschau hat nach Koschyks Auffassung Modellcharakter für zweisprachige Bildungseinrichtungen im Kindergarten- und Schulbereich zum Erhalt der deutschen Muttersprache, die in eigener Trägerschaft der Deutschen stehen.

Letzte Stationen des Besuches von Staatssekretär Hartmut Koschyk in der Wojewodschaft Oppeln waren ein Besuch des religiösen Wahrzeichens Oberschlesiens – dem St. Annaberg mit seiner 500-jährigen Wallfahrtsgeschichte und ein Besuch des zum Hotel umgebaute Gutshaus in Sakrau in der Gemeinde Gogolin. Hier bewirtschaftet der Landwirt Siegmund Dransfeld aus Paderborn ca. 500 Hektar Ackerfläche und hat jetzt in die hervorragend renovierte Hotelanlage erhebliche Finanzmittel investiert.

Entscheidend für die Zukunft der deutschen Volksgruppe in Polen wird letztlich ihre Fähigkeit sein, ihre Identität zu wahren. Dabei wird die deutsche Volksgruppe nachhaltig von der Bundesregie-rung, aber auch von einigen Bundesländern unterstützt.

Das Bundesinnenministerium hat 2010 eine Förderung von 850.000 Euro zur Verfügung gestellt, die vor allem für Medienprojekte, zur Förderung der deutschen Sprache, für das „Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit“ (HdpZ), und einem Programm zur Belebung der Begegnungsstätten verwendet werden.

Daneben ist das Auswärtige Amt für die kultur- und bildungspolitische Förderung der Deutschen Minderheiten zuständig. In der Republik Polen fördert das Auswärtige Amt Sprachfördermaßnahmen in Schulen, Vorschulen sowie in Kindergärten und bietet im Rahmen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ein breit gefächertes Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen für Deutschlehrer, Hilfen bei der Bereitstellung von modernen Unterrichtsmaterialien, der Entwicklung von Lehrplänen sowie Sprachkurs- und Studien-stipendien an. Die Förderung des Auswärtigen Amtes belief sich in den vergangenen Jahren auf jährlich ca. 1,4 Mio. Euro. Die Förde-rung aus finanziellen Mitteln des Auswärtigen Amtes erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Minderheit in Polen und wird jährlich in zwei Planungstreffen auf Einladung des VdG in Oppeln sowie der Botschaft in Warschau festgelegt.

Das deutsche Institut für Auslandbeziehungen hat 11 Vertreter an Einrichtungen der Deutschen Minderheit in Polen entsandt, darun-ter sechs Kulturmananger. Ebenfalls unterstützt das Goethe Institut in Warschau und Krakau die Deutsche Minderheit bei der Spracharbeit. Der DAAD vergibt seinerseits Stipendien an Angehörige der Deutschen Minderheit und die Zentralstelle für Auslandschulwesen hat eigens eine Fachschaftsberaterin mit Zuständigkeit für die Deutsche Minderheit in Breslau.

Auch mit Hilfe der Unterstützung durch die Bundesregierung hat sich die Deutsche Minderheit seit 1990 in der Republik Polen gut entfalten können. Vereine, Verbände, Medien und Deutschunter-richt haben mit vielfältiger Unterstützung einen sichtbaren Auf-schwung genommen. Seit den ersten Kommunalwahlen im Oktober 1998 hat die Deutsche Minderheit darüber hinaus im Oppelner Land ihren Einfluss konsolidieren können. Bei den Regional- und Kommunalwahlen 2010 erhielt die Deutsche Minderheit 6 Manda-te. Seit 2011 stellt die Deutsche Minderheit wieder den Vizemar-schall. Dieses Amt wird ausgeübt vom Vorstandsmitglied der Deutschen Minderheit, Roman Kolek. Auf kommunaler Ebene stellt die Deutsche Minderheit 25 Bürgermeister und Gemeindevorsteher sowie drei Landräte. Auch bei den letzten nationalen Wahlen erreichte die Deutsche Minderheit erneut ein gutes Ergebnis und ist mit dem Abgeordneten Ryszard Galla im polnischen Sejm vertreten. Ebenfalls gibt es inzwischen in 26 Gemeinden der Wojewodschaft Oppeln zweisprachige Ortsschilder.

Insgesamt leistet die Deutsche Minderheit einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung der Republik Polen und beteiligt sich aktiv am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben, ohne dabei die eigene kulturelle Identität zu verlieren. All dies zeigt, dass es sich lohnt in die Deutsche Minderheit in Polen zu investieren und die Bewahrung ihrer kulturellen Identität zu fördern. Zweifellos ist die Deutsche Minderheit in Polen ein entscheidender Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen und trägt nachhaltig zur gegenseitigen Verständigung und zum weiteren Ausbau der guten bilateralen Beziehungen bei.

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